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Hello Peter!

Der Schweizer Peter Borsari war während dreissig Jahren einer der Starfotografen Hollywoods

Ausgangslage

Nach drei Jahren Studium an der Zürcher Hochschule der Künste wurde es Zeit für die Bachelor-Abschlussarbeit. Das Thema war mir ziemlich schnell klar: eine Dokumentation über meinen verstorbenen Patenonkel drehen. Ich war fasziniert von seiner fotografischen Arbeit und dem daraus resultierenden Archiv.

Idee

1999: Das Alibi war ein Sprachaufenthalt. Ich wohnte bei meinem Patenonkel in dessen Villa in den Hollywood Hills. Gleich zu Beginn – ich hatte ihm von meinem Interesse für Fotografie erzählt – drückte er mir eine Kamera in die Hand und nahm mich mit an eine Filmpremiere. Meine Bilder waren nicht gut genug, um sie verkaufen zu können, aber Peter gewährte mir danach tiefe Einblicke in sein legendäres Archiv: Zwei Millionen Diapositive lagerten in seinem feuerfesten, gut gesicherten Studio.

Seit seinem Tod im Jahr 2006 wollte ich nach Los Angeles zurückkehren um das Archiv zu durchforsten – bis heute wird es von einer Stiftung verwaltet. Da es jeden Moment hätte verkauft werden können, wollte ich unbedingt noch einen letzten, genauen Blick ergattern. Und so kam ich auf die Idee, meine Bachelorarbeit einer Retrospektive von Borsaris Werk zu widmen.

Umsetzung

Er prägte den Begriff «Event-Fotografie». Ich war Borsaris Patenkind und reiste mit meiner Filmkamera im April 2012 nach Los Angeles um mit Bildern aus seinem Hollywood-Fotoarchiv («Das grösste Star-Archiv der Welt», «Blick») und mit Freunden und Arbeitskollegen die Karriere des 2006 verstorbenen nachzuzeichnen. Der Film, eine Spurensuche im heutigen Hollywood, ist eine Retrospektive seiner Arbeit und wirft einen Blick in die goldenen Zeiten der Traumfabrik zwischen 1970 und 1985. Borsari arbeitete mit Stars wie Richard Burton, Paul Newman, Elisabeth Taylor und Frank Sinatra. Letzterer pflegte zum Schweizer eine Hassliebe: Er drohte ihm Schläge an, beschimpfte ihn als Nazi und heuerte ihn kurz darauf als Exklusivfotografen an. Bei der Recherche wurde mir klar, warum Borsari so erfolgreich war: Durch seine selbstbewusste Art und sein weltgewandtes Auftreten kam er näher ran an die Stars als alle anderen.

Archivrecherche, 2012
Peter Borsari, ca. 1972

Ich telefonierte nächtelang nach Kalifornien, sprach mit seinem ehemaligen sozialen Umfeld, um es für das Projekt zu begeistern: Seine Assistentinnen, seine Ex-Frau, Filmproduzenten, Fotografen. Sie sollten mir vor Ort Auskunft geben, wer Borsari war und vor allem, wie er arbeitete (Borsari war sowieso, das wurde bei den Recherchen schnell klar, nur mit einer verheiratet: Seiner Kamera – ein Privatleben existierte so gut wie gar nicht). Sie alle waren bereit, mich zu treffen. Mit den Interviewterminen, einem Stapel recherchierter Unterlagen und einer Filmkamera bestieg ich das Flugzeug. Vor Ort ergaben sich dann spontan weitere Interviews mit Borsari-Bekanntschaften, etwa jenes mit dem Comedy-Produzenten und Emmy-Preisträger George Schlatter. Die Suche führte mich in seine Produktionsfirma, in die Redaktion des «People Magazines», zu einem Mitglied des Verwaltungsrates der «Hollywood Foreign Press Association», welche die Golden Globes vergibt, zu seinen ehemaligen Assistentinnen ins Ventura County und nach Las Vegas, wo er oft gearbeitet und noch Freunde hatte, die mir Geschichten über seine Treffen mit Elvis Presley erzählten.

Ich traf den Celebrity-Fotografen Alan Berliner und den Radiomoderator Gary Owens, der seine Stimme unter anderem Supermario, Sonic The Hedgehog und dem gepuderten Toastmann in der Ren and Stimpy Show lieh.

Ich besuchte eine Filmpremiere und richtete die Kamera statt auf die Stars auf die Fotografen, um einen Einblick in den aufregend-banalen Alltag von Celebrity-Fotografen zu geben. Stundenlang stand ich zwischen all diesen Terminen auf den sechsspurigen Autobahnen im Stau. Mehrere Tage verbrachte ich zudem in Peters riesigem Archiv, das heute in einem fensterlosen Raum auf der Rückseite eines Haarfönladens untergebracht ist.

Nach eineinhalb Wochen brach ich ob des gedrängten Programms mit 42,5 Grad Fieber und einer Lungenentzündung zusammen

Zurück in der Schweiz, mehr oder weniger erholt, schnitt ich an meinem Computer das zehnstündige Rohmaterial aus Interviews, Borsari-Fotos und Bildern meiner Spurensuche in Los Angeles zusammen zu «Hello Peter!», der Retrospektive über den Mann, der mit Fotos von Berühmtheiten in Hollywood selbst zur Berühmtheit wurde.

Drew Barrymore, E.T. Premiere, 1982
John Travolta, 1976

Last but not least: Das Buch zum Film gibts hier // die Arbeit wurde mit dem Förderpreis der ZHdK ausgezeichnet

Credits

Campaign:Hello Peter!
Production:Miriam Flury, Jovica Radisavlejic, Mario Hipleh
Camera:Mario Hipleh
Client:ZHdK
Publisher:SanchoPanchoFilms
Director:Mario Hipleh